Ein Traum, Mehlstaub und viel Handarbeit – so könnte die Geschichte der Bäckerei Bauer in Herrnbaumgarten beginnen. Was heute ein regional verankerter Nahversorger mit 13 Filialen und eigener Backstube ist, nahm vor 65 Jahren seinen Anfang in bescheidenen Verhältnissen – mit einer Vision und einer gehörigen Portion Durchhaltevermögen.
Nach dem Krieg zog Georg Bauer, gebürtig aus Althöflein, mit seiner Frau Maria, geborene Bayer, in deren Elternhaus in Herrnbaumgarten. In den wirtschaftlich schwierigen Jahren war es nicht selbstverständlich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Doch Georg Bauer hatte ein Ziel: eine eigene Bäckerei.
1960 legte er die Bäckermeisterprüfung ab – ein entscheidender Meilenstein. Gemeinsam mit Maria richtete er eine kleine Backstube und ein Verkaufslokal im Haus in der Großen Zeile 65 ein. Die Anfänge waren einfach: gebacken wurde noch mit viel Handarbeit, ausgeliefert mit dem Lieferwagen direkt an Lebensmittelhändler und Gastwürte im Umland – von Steinebrunn bis Stützenhofen.
Auch die drei Kinder – Wilma, Maria und Karl – standen schon früh in der Backstube, kneteten Teig oder verteilten Gebäck. Die Bäckerei war Familienbetrieb im besten Sinne – jede helfende Hand zählte.
Trotz des Erfolgs kamen die Herausforderungen: Georg Bauer litt infolge einer Kriegsverletzung und des täglichen Kontakts mit Mehlstaub zunehmend an einer Lungenkrankheit. So war es sein Sohn Karl Bauer, der 1977 – gerade 17 Jahre alt – als jüngster Bäckermeister Österreichs die Verantwortung übernahm. Er war es auch, der mit Mut zur Weiterentwicklung den Grundstein für die spätere Expansion legte.
„Mit 17 bist du kein Unternehmer – aber du lernst schnell.“ So beschreibt Karl Bauer rückblickend den Moment, als er 1977 – kaum volljährig – als damals jüngster Bäckermeister Österreichs das Handwerk seines Vaters weiterführte.
Karl Bauer aber zögerte nicht. Nur zwei Jahre später, 1979, eröffnete er ein neues Geschäftslokal in der Hauptstraße 97 in Herrnbaumgarten – heute die Zentrale der Bäckerei Bauer. Früh erkannte er, dass Brot allein nicht ausreichte, um sich als Nahversorger in der Region zu etablieren. Er baute nicht nur das Sortiment aus, sondern belieferte auch mit einem Ford Transit Lieferwagen persönlich Gastronomie- und Einzelhandelskunden in umliegenden Gemeinden wie Falkenstein, Ottenthal oder Wilfersdorf.
Heute steht die Bäckerei Bauer für weit mehr als Brot und Gebäck. Mit 13 Standorten, darunter drei Kaffeehäuser, mehreren ADEG-Märkten und einem modernen Produktionsstandort in Wetzelsdorf, ist das Unternehmen ein regionaler Nahversorger mit Herz und Haltung. Nachhaltigkeit ist kein Lippenbekenntnis, sondern gelebter Alltag.
„Wir sind mehr als ein Geschäft. Unsere Kaffeeecken sind Treffpunkte, unsere Brote sind ein Stück Heimat. Und wenn ich sehe, wie junge Mitarbeiter:innen heute mit Leidenschaft backen – dann weiß ich: Der Geist von damals lebt weiter. Und ja, das macht mich sehr stolz.“ — Karl Bauer
Was wünscht er der Bäckerei für die Zukunft? „Mut zum Weiterdenken – aber ohne die Wurzeln zu vergessen. Regionalität, Handarbeit, Qualität: Das muss bleiben. Aber gleichzeitig dürfen wir uns nicht scheuen, neue Wege zu gehen. Wenn das gelingt, wird es auch ein 75- und 100-Jahr-Jubiläum geben.“
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