Sauerteig ist so alt wie das Brotbacken selbst. Jahrtausende vor Erfindung der Hefe haben Menschen Mehl mit Wasser gemischt, die Schüssel stehen gelassen — und beobachtet, wie das Gemisch zu leben begann. Was damals wie Magie wirkte, ist heute Wissenschaft: Die natürlichen Milchsäurebakterien und wilden Hefen, die in Mehl, Luft und Wasser vorkommen, beginnen zu fermentieren. Sie bauen Stärke ab, produzieren Kohlendioxid und Säuren — und verwandeln einen schweren Teig in ein luftiges, aromatisches Brot mit langer Frischehaltung.
In unserer Backstube in Wetzelsdorf führen wir unseren Sauerteig seit über einem Jahrzehnt täglich weiter. Das bedeutet: Jeden Tag wird ein Teil des alten Teigs abgenommen, mit frischem Weinviertel-Mehl und Wasser gefüttert und weiter gereift. So lebt unser Sauerteig nicht einen Tag, nicht eine Woche — er trägt die Geschichte von Tausenden Broten in sich. Dieses kontinuierliche Führen macht den Unterschied. Ein junger Sauerteig schmeckt flach. Ein gereifter Sauerteig hat Tiefe, Komplexität und jenen unverwechselbaren Geschmack, den man in einem industriell gebackenen Brot nie findet.
Aber Sauerteig ist nicht nur eine Frage des Geschmacks — er macht Brot auch nachweislich bekömmlicher. Einer der wichtigsten Mechanismen dabei ist der Abbau von Phytinsäure. Phytinsäure kommt natürlicherweise in Getreide vor und bindet Mineralstoffe wie Eisen, Zink und Magnesium so, dass der Körper sie kaum aufnehmen kann. Während der langen Fermentation mit Sauerteig produzieren die Bakterien das Enzym Phytase — und bauen die Phytinsäure weitgehend ab. Das Ergebnis: Die Mineralstoffe im Brot werden für unseren Körper überhaupt erst zugänglich. Sauerteigbrot ist also nicht nur ein besseres Brot — es ist ein ernährungsphysiologisch wertvolleres Brot.
Ein weiterer Vorteil betrifft das Gluten. Viele Menschen berichten, dass sie normales Weizenbrot schwer vertragen, Sauerteigbrot aber problemlos essen können. Das hat einen biologischen Grund: Während der Fermentation beginnen die Bakterien das Gluten vorzuverdauen. Die langen Proteinketten werden aufgespalten, die Struktur des Glutens verändert sich. Für Menschen ohne Zöliakie, die aber auf industriell gefertigtes Brot empfindlich reagieren, kann Sauerteigbrot eine echte Erleichterung sein. Unser Hausbrot und unser Weinviertler Landbrot werden deshalb von vielen Kund:innen ausdrücklich wegen ihrer Bekömmlichkeit geschätzt.
Dazu kommt der glykämische Index. Industriebrot — schnell gemischt, schnell gebacken — lässt den Blutzucker rasch ansteigen und genauso rasch wieder abfallen. Sauerteigbrot hingegen, durch die Fermentation bereits teilweise aufgeschlossen, wird langsamer verdaut. Der Blutzucker steigt gleichmäßiger, die Sättigung hält länger an. Das ist kein Marketingversprechen — das ist biochemisch gut belegt. Wer unser Weinviertel-Vollkornbrot beim Frühstück isst, wird bemerken, dass der nächste Hunger deutlich später kommt als nach einem Schnellbrötchen vom Discounter.
Unser Mehl kommt fast ausschließlich aus dem Weinviertel. Kurze Wege, klare Herkunft, direkter Kontakt zu den Mühlen — das ist uns wichtig. Weil ein guter Sauerteig nur mit gutem Ausgangsmehl funktioniert. Die Mikroorganismen, die den Teig zum Leben bringen, reagieren empfindlich auf Qualität. Minderwertiges Mehl, übermäßig behandelt oder zu schnell gemahlen, gibt einen schwachen Sauerteig. Weinviertel-Mehl, gereift, schonend verarbeitet, mit seinem natürlichen Eigengeschmack, gibt unserem Sauerteig die beste mögliche Grundlage. Daran halten wir fest — seit der ersten Generation.
Fragen oder Bestellungen?

